Nicht vergessen

Virtueller Gedenktag an die Opfer der NS-„Euthanasie“ am 4. September 2020

Die Würde des Menschen sichern. Im Alltag!

Psychisch erkrankte Menschen unterliegen auch heute noch gesellschaftlichen Ausgrenzungsprozessen. Trotz UN-Behindertenrechtskonvention, Bundesteilhabegesetz, langjähriger Antistigmaarbeit und engagierter sozialpsychiatrischer Praxis bestehen nach wie vor Defizite in der Anerkennung, Akzeptanz und Teilhabe psychisch erkrankter Menschen im gesellschaftlichen Alltag. Schwer und chronisch psychisch erkrankte Menschen sind oft in besonderer Weise von Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot und sozialer Ausgrenzung betroffen. Zudem scheinen Formen von Abwertung und Diffamierung nicht zuletzt durch die Wirkmächtigkeit der sozialen Medien zugenommen zu haben und gesellschaftsfähiger geworden zu sein.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie lassen wiederum zwei gegensätzliche Phänomene im gesellschaftlichen Alltag deutlich werden: Solidarisches, respektvolles, unterstützendes, durchaus auch entschleunigtes Handeln einerseits; andererseits egoistisches Handeln angesichts der negativen ökonomischen, sozialen und individuellen Auswirkungen der Krise. Wie wird sich dieser Widerspruch langfristig im Alltagshandeln der Menschen auswirken? Wird zukünftiges gesellschaftliches Leben als Konsequenz aus der Pandemieerfahrung solidarischer, gerechter und menschlicher gestaltet werden, insbesondere für die sogenannten „Schwächsten“ einer Gesellschaft?

Die solidarische Gesellschaft
 

Zu beleuchten und diskutieren bleibt die Frage, ob und in welcher Weise psychisch erkrankte Menschen sich der Solidarität und der vorbehaltlosen Unterstützung durch die Gesellschaft und durch die dafür zuständigen Instanzen und Institutionen sicher sein können. Gerade schwer und chronisch psychisch erkrankte Menschen werden oft an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Wie gehen psychiatrisch Tätige und Fachkräfte in der Behindertenhilfe mit Ausgrenzungsprozessen um? Was können und müssen wir den offenen und subtilen Prozessen von Ausgrenzung insbesondere auch angesichts der deutschen (Psychiatrie-) Geschichte entgegensetzen?

Die Würde des Menschen im Alltag ist für alle Menschen zu jedem Zeitpunkt zu achten!


Die Stellung von Menschen mit psychischen Erkrankungen und Behinderungen im Alltag ist ein Gradmesser für den Entwicklungsstand von Zivilisation und Demokratie einer Gesellschaft. Die Würde aller Menschen ist jederzeit zu achten! Gleichwohl besteht das Risiko, dass aus makro- wie mikrosozialen Entwicklungen „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit “ entstehen kann.

Wir sind gefordert!
 

Psychiatrisch Tätige sind gemeinsam mit der Selbsthilfe in der konkreten Alltagsarbeit gefordert, Bürger*innen für ausgrenzende Tendenzen zu sensibilisieren und verantwortungsvolles Handeln zu fördern – für Teilhabe und Teilsein. Eine wichtige Herausforderung besteht darin, gemeinsam mit den Organisationen der Selbsthilfe Möglichkeiten, Gelegenheiten und Räume zu (er-)finden, um Diskriminierungen gegenüber Menschen mit psychischen Erkrankungen oder anderen Einschränkungen konsequent und dauerhaft entgegenzutreten und damit Respekt, Wertschätzung und Achtung zu fördern.

Die Diskutant*innen sind:

Jürgen Dusel
Beauftragter der Bundesregierung für die Belange der Menschen mit Behinderungen, Berlin

Dr. Klaus Obert
Bereichsleitung Sucht und Sozialpsychiatrische Hilfen, Caritasverband für Stuttgart e.V.; Stellvertretender Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Gemeindepsychiatrischer Verbünde

Dr. Elke Prestin
Sprachwissenschaftlerin, Redakteurin, vielfältig engagiert in der Selbsthilfe Psychiatrieerfahrener (u.a. beim Bundesnetzwerk Selbsthilfe seelische Gesundheit – NetzG e.V.)

Prof. Dr. Georg Schomerus
Experte für Sozialpsychiatrie, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Universitätsklinikum Leipzig

Prof. Dr. Hans Thiersch
Emeritierter Professor für Erziehungswissenschaft und Sozialpädagogik an der Universität Tübingen

Moderation
Ralph Erdenberger, Westdeutscher Rundfunk, Köln

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